Maximale Schärfentiefe in der Landschaftsfotografie – Was ist die hyperfokale Distanz und wie setze ich sie ein?

Die Landschaftsfotografie ist ein sehr vielfältiges Gebiet – man kann zum Beispiel intime oder minimalistische Aufnahmen mithilfe von Telebrennweiten anfertigen, welche mitunter durch eine geringe Schärfentiefe gewisse Bildelemente in den Mittelpunkt treten lassen. Die andere „Extreme“ sind mit Weitwinkel-Objektiven aufgenommene Bilder von gewaltigen und dramatischen Landschaften. Hier ist viel im Bild zu sehen, meist von vorn bis hinten knackscharf abgebildet. Die Schärfentiefe ist also extrem hoch. Um eine solche hohe Schärfentiefe zu erreichen, reicht es in diesen Fällen meist nicht aus, einfach nur die Blende zu schließen. Spezielle Techniken sind nötig, um nichts dem Zufall zu überlassen. Neben Focus-Stacking hilft uns dabei die Methode rund um die hyperfokale Distanz – was das ist und wie man sie einsetzt, erfährst du in den folgenden Absätzen.

Die Schärfentiefe in Abhängigkeit von Brennweite und Blende

Die hier beschriebene Thematik nimmt es sich zum Ziel, beim Fotografieren einer Landschaft alles im Bild scharf darzustellen. Dies umfasst neben einem möglichen Vordergrund auch den Mittel- und Hintergrund. Die Kamera kann jedoch nur auf eine exakte Entfernung fokussieren. Abhängig von der eingestellten Blende und der verwendeten Brennweite sind Bildanteile vor- und hinter diesem fokussierten Punkt mehr oder weniger scharf abgebildet – dies bezeichnet man als Schärfentiefe. Möchte man möglichst viel Bokeh/wenig Schärfentiefe, wählt man eine weit offene Blende (z.B. f2.8) und nutzt eine lange Brennweite (z.B. 100mm). Um nun in der Landschaftsfotografie möglichst viel scharf zu bekommen, schließen wir die Blende weit (z.B. f11) und nutzen kurze Brennweiten in Form von Weitwinkelobjektiven (z.B. 16mm). Wir erhalten nun eine hohe Schärfentiefe/wenig bzw. kein Bokeh.

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Maximale Schärfentiefe in der Landschaftsfotografie mittels der hyperfokalen Distanz

Durch eine geschlossene Blende am Weitwinkel-Objektiv hat man bereits eine sehr hohe Schärfentiefe im Bild. Hier steckt jedoch wie eingangs erwähnt der Teufel im Detail. Hohe Schärfentiefe meint nicht, dass automatisch alles im Bild – vom Vorder- bis zum Hintergrund – durchgehend scharf dargestellt ist. Die höchstmögliche Schärfentiefe ist auch davon abhängig, worauf ich den Fokus setze, genauer gesagt, auf welche Entfernung ich fokussiere. Je nachdem, auf welche Entfernung ich den Fokus lege, habe ich mehr oder weniger Vorder- und Hintergrund scharf im Bild dargestellt. Man weiß vor allem bei Motiven mit starkem Vordergrund nie so genau ob alles, was man sich wünscht, scharf dargestellt wird. Die Lösung dafür ist die so genannte hyperfokale Distanz:


Hyperfokale Distanz = Auf welche Entfernung muss ich fokussieren, damit ich die größtmögliche Schärfentiefe im Bild erreiche?

Ist die Kamera auf diese Distanz fokussiert, so hat man automatisch die größtmögliche Schärfentiefe für die gerade verwendete Kombination aus Brennweite und Blende zur Verfügung. Man weiß zudem exakt, ab welcher Entfernung im Bild die Schärfe beginnt. Somit weiß ich genau, ob der Vordergrund, den ich mir ausgesucht habe, vermutlich zu weit vorne im Bild platziert wurde und dadurch in den Unschärfe-Bereich gerät.

Es gibt im Internet und als Apps zahlreiche Rechner und Tabellen, um die hyperfokale Distanz herauszubekommen. Ich nutze z.B. die App PhotoPills (für iOS und Android), welche eine entsprechende Tabelle enthält.

Klingt alles erst mal etwas kompliziert – die folgenden Beispiele sollten aber etwas Licht ins Dunkle bringen. 🙂

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Hyperfokale Distanz – Beispiel 1

Mein Bildausschnitt einer Landschaft besteht aus Steinen im Vordergrund, einem Wald in der Mitte und Gebirgsketten im Hintergrund. Ich habe den Bildausschnitt so gewählt, dass der Vordergrund (Steine) ca. 60cm vor der Kamera beginnt. Ich verwende eine Olympus OMD E-M1 Mark 2* mit einem Weitwinkelobjektiv (12-40mm f2.8 Pro*), eingestellt auf 12mm bei Blende f14. Auf welche Distanz muss ich nun fokussieren, um Vordergrund (Steine) und Hintergrund (Gebirge) angemessen scharf darzustellen, daher: die größtmögliche Schärfentiefe zu erreichen?

Ein Blick in die Hyperfokaltabelle der PhotoPills App (siehe Abbildung unten) verrät es mir. Für die Olympus-Kamera bei 12mm und Blende f14 beträgt die Distanz 0,68m bzw. 68cm. Wichtig: Der Bereich, in dem die Bildanteile scharf abgebildet werden, beginnt immer bei der Hälfte dieser Distanz. In meinem Fall bedeutet dies: Alles ab einer Entfernung von 34cm vor der Kamera wird scharf im Bild zu sehen sein. Da meine Steine erst in 60cm Entfernung beginnen, ist somit alles im grünen Bereich.

Die Hyperfokaltabelle in der App Photo Pills
Die Hyperfokaltabelle in der App Photo Pills

Das Einstellen der hyperfokalen Distanz an der Kamera erledigst du am besten, indem du manuell am Objektiv die Entfernungsskala nutzt. Ist diese zu ungenau, lässt sich auch ein Gegenstand deiner Wahl nutzen: Fokussiere darauf, nachdem du den Gegenstand so platziert hast, dass dessen Entfernung zur Kamera der hyperfokalen Distanz entspricht.

Hyperfokale Distanz – Beispiel 2

Das unten abgebildete Foto entstand auf der griechischen Insel Kefalonia. Bei einer Blendenzahl von f5.6 und einer Brennweite von 12mm an einer Olympus EM-10 Mark 2 ergab sich eine hyperfokale Distanz von 1,7m. Auf diese Entfernung wurde die Kamera fokussiert. Somit war alles ab einer Entfernung von 85cm vor der Kamera scharf abgebildet. Ein zentrales Bildelement sind die kleinen Felsen im Vordergrund, welche vom Meerwasser umspült werden. Diese waren etwas weiter als 85cm von der Kamera entfernt (siehe 2. Bild). Daher sind diese immer noch akzeptabel scharf abgebildet, ebenso wie die Felsen in der Mitte und die Bergkette im Hintergrund.


Abschließende Bemerkungen & Tipps

Wenn Du kurz angebunden bist und nicht die Zeit für diese Prozedur aufbringen kannst, gibt es auch eine Notlösung: Nutze eine möglichst weit geschlossene Blende (z.B. f16), wähle deinen Bildausschnitt und fokussiere etwa 1/3 oberhalb des unteren Rands von deinem Bildbereich. Das ist zwar nicht so genau wie die obere Methode, sollte aber in vielen Situationen zu soliden Ergebnissen führen.

Wenn Du das Thema sehr anschaulich in Form eines Videos sehen möchtest (und des englischen mächtig bist), empfehle ich dieses hier. Dort habe ich auch die zuletzt genannte Notlösung aufgeschnappt.

Last but not least sei noch erwähnt: Nicht immer muss man sich um die hyperfokale Distanz sorgen. Wenn alle deine Bildelemente weit weg von der Kamera positioniert sind, sollte es keine Probleme mit der Schärfe geben. Und wer sowieso mit selektiver Schärfe/offener Blende arbeitet, braucht sich selbsterklärend darüber ebenfalls keine Gedanken zu machen. 🙂 

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